Sojazüchtung in Deutschland – ein Feldbesuch

Sojazüchtung in Deutschland – ein Feldbesuch

In der Landessaatzuchtanstalt (LSA) der Uni Hohenheim steht die Ernte bevor: Auf einer Fläche von 1,5 Hektar werden hier rund 10.000 verschiedene Nachkommen von Sojakreuzungen angebaut. Daraus sollen irgendwann neue Sojasorten entstehen, die den klimatischen Bedingungen in Deutschland standhalten. Auch solche, die sich für die Tofuherstellung gut eignen. Wir haben die Pflanzenzüchter auf dem Versuchsfeld besucht.

Die Septembersonne brennt noch immer heiß, als wir den Acker betreten. Das Sojafeld vor unseren Augen ist kein gewöhnliches: Wir sind in Eckartsweier, eine knappe Autostunde entfernt von unserem Freiburger Firmensitz, wo sich eine Versuchsstation der Universität Hohenheim befindet. Namen wie Bahia, Primus, Amandine, Hadakakuro2 und zahlreiche kryptische Nummern sind auf kleinen Schildchen zu lesen – alles Sorten oder Sojazüchtungen, die von den Fachkräften der LSA miteinander gekreuzt und anschließend in jeweils einer Reihe angebaut wurden. Dementsprechend „wild“ erscheint das Feld: Manche Pflanzen sind noch komplett grün, andere tragen schon reife braune Hülsen, wieder andere sind umgefallen, im Fachjargon „ins Lager gegangen“.

Dr. Volker Hahn, Leiter der Saatzuchtanstalt, erklärt uns das Vorgehen: „Nach diesem ersten Anbaujahr suche ich die besten Linien raus, die geerntet werden. Besonders Wert gelegt wird auf die Stand- und Platzfestigkeit der Hülsen. Wenn sich nach der Ernte der Proteingehalt als gut erweist, gehen sie nächstes Jahr in die Leistungsprüfung.“ Das bedeutet, dass die Kreuzungen abermals angebaut werden, diesmal auf einer Parzelle von neun Quadratmetern. Anschließend werden die verschiedenen Eigenschaften ausgewertet und auch Inhaltsstoffe wie Eiweiß und Sojaöl untersucht. Für die vielversprechendsten Nachkommen folgen weitere Prüfungen. Bis aus ersten Kreuzungsversuchen eine zugelassene Sorte wird, kann es sechs bis acht Jahre dauern.

Ziel der Pflanzenzüchter in Hohenheim ist vor allem, Sojasorten für den deutschen Raum zu entwickeln. Die also das Klima hier gut vertragen, frühzeitig reif werden (bevor im Herbst die Nächte zu kalt werden) und lange Sommertage und Beregnung aushalten, ohne ins Lager zu gehen. Und natürlich muss der Ertrag stimmen, ein wichtiges Kriterium für jeden Landwirt, der die Sorte später anbauen wird. Aber es gibt auch Experimente: „Dieses Jahr haben wir eine bewährte Sorte mit einer sehr trockenstressresistenten Linie gekreuzt und ein andermal mit einer Linie, die Allergiker besser vertragen“, verrät Volker Hahn. Davon erhoffen sich die Züchter, vorhandene Sorten mit zusätzlichen positiven Eigenschaften zu versehen.

Ein Herzensprojekt ist für den Zuchtleiter, eiweißreiche Sojalinien für die Tofuherstellung zu finden. Dabei sind weitere Kriterien wichtig, etwa, wie viel Tofu man aus der Bohne gewinnen kann. Die LSA und Taifun sind langjährige Partner: Hier ist etwa die klimatisch angepasste Sorte Taifun 3 entstanden, die unsere Vertragslandwirte im Süden und Osten Deutschlands seit Kurzem für uns anbauen. Wir sind gespannt, was die diesjährige Ernte bringt!

LC/23.09.2019

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