Schietkram, der Tofu ist alle

Schietkram, der Tofu ist alle

Finden Sie Ihr Lieblingsprodukt gerade nicht im Regal? Vielleicht erkennen Sie sich hier drin wieder.
Aktuelle Erfahrungen einer fiktiven Kundin...

"Ein Blick in meinen Kühlschrank ergab, das Gemüsefach – in dem ich sonst auch meinen Tofu aufbewahre – ist leer. In den vergangenen Wochen habe ich nicht so viel Tofu gekauft, denn ich war in Urlaub und an den heißen Tagen habe ich mich oft nur mit leichten Salaten oder frischem Gemüse aus dem Garten verköstigt. Doch jetzt habe ich wieder Tofu-Lust. Also ab in den Bioladen. Doch dort muss ich mit Schrecken feststellen: kein Tofu im Regal. Na ja, so ganz stimmt das nicht – es ist schon noch einiges da. Aber gerade mein Lieblingsprodukt ist aus. Und eine Rückfrage bei der Verkäuferin ergab: „Wir haben es schon bestellt, ab wir haben keine Lieferung erhalten“. Blöd, denke ich und gehe unzufrieden nach Hause. Denn was meine Essgewohnheiten angeht, bin ich echt konsequent. Entweder es gibt mein Produkt oder ich verzichte ganz. Nun will ich es aber ganz genau wissen: wie kommt es, dass mein Lieblingstofu aus ist? Ich frage einfach mal nach. Im Internet ist die Adresse schnell gefunden und ich rufe an. Und bei diesem Telefonat verstehe ich zum ersten Mal die großen Zusammenhänge zwischen meinem leeren Kühlschrank und dem leeren Kühlregal.

Bei Taifun arbeiten rund 240 Frauen und Männer täglich daran, die Bestellungen der Kunden in gewohnter Qualität pünktlich zu erfüllen. Das klingt theoretisch super einfach. Man hat ausreichend Rohwaren, funktionierende Maschinen und natürlich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Dann kommen die Bestellungen und die werden der Reihe nach abgearbeitet. Soweit, so verständlich. Ich stelle mir das ein bisschen wie zu Hause in meiner kleinen Küche vor. Jeden Tag will meine Familie zur gewohnten Uhrzeit ihr Essen – und ich koche jeweils zur gewohnten Zeit. Das Essen verzögert sich natürlich, wenn z. B. der Herd kaputt geht. Dann verzichte ich vielleicht auf die Nudeln und mache nur das Ofengemüse. Die Kinder schimpfen zwar – doch mehr war halt nicht möglich. Wenn bei Taifun eine Maschine ausfällt, sind davon eine ganze Menge Produkte betroffen. Zwar wird dort auch viel schneller repariert, als bei mir zu Hause, aber natürlich bleibt trotzdem etwas auf der Strecke. Doch sind die bei Taifun natürlich auch viel geübter als ich und haben Möglichkeiten, kleinere Ausfälle zu kompensieren. Doch spannend wird es, wenn statt meiner gewohnten Familie plötzlich noch die Nachbarn unangemeldet zum Essen auftauchen. Woher soll ich auf die Schnelle das viele Essen zaubern. Mit dem Problem kommen auch die Taifun-Kolleginnen und Kollegen nicht so gut zurecht. Denn in der einen Woche sollen sie 450.000 „Essen“ liefern und in der nächsten plötzlich 600.000? Es sieht also ganz so aus, als wäre nicht nur mein Kühlschrank leer gewesen sondern auch der einiger anderer Tofuliebhaber.

Kann man das nicht auch vorausplanen? Wenn meine Nachbarn sich eine Woche im Voraus zum Essen anmelden, dann kann ich sie problemlos verköstigen. Kommt jedoch die gesamte Ballettgruppe meiner Tochter morgen spontan zum Abendessen, muss ich passen. Da greife ich auch auf externe Unterstützung zurück. Und das ist bei Taifun eben keine Option. Die können nicht mal schnell beim Catering-Service anrufen und Tofu dazu bestellen. Und das fühlt sich für alle Taifun-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wirklich doof an. Denn keiner dort hat Freude daran, einem Kunden zu sagen: „Tut mir leid, aber heute haben wir keinen Tofu für Dich!“ Denn die machen das, was sie tun wirklich mit Herzblut. Aber ich habe verstanden, dass auch ihre „Küche“ und ihr „Küchenpersonal“ einfach nur eine bestimmte Kapazität hat. Und wenn alle auf einmal kommen, ist das Regal halt leer.

In unserer Gesellschaft, die an ständige Verfügbarkeit von allem gewohnt ist, ein ungewohntes Bild. Und irgendwie auch schön, weil so menschlich. Da sind echte Menschen und echte Produkte dahinter. Etwas das frisch hergestellt wird und nicht monatelang irgendwo gelagert wird. Und sie sind alle bemüht, soviel wir möglich herzustellen, damit die Kühlregale bald wieder voll sind.

Also gibt es heute doch nochmal einen Salat mit frischem Gemüse und die Vorfreude auf meinen nächsten Tofueinkauf steigt.

Danke an alle, die dafür sorgen, dass das möglich ist!"

09.09.2018